Mathildenhöhe Darmstadt – Jugendstilmotive satt

Am 09. April 2006 war die Mathildenhöhe in Darmstadt Ziel einer Fotoreise unserer Fotogruppe. Die einzigartige Kulturstätte bietet Jugendstilmotive satt und gehört zu den dankbarsten Fotozielen in Hessen. Für alle, die nicht dabei sein konnten, veröffentlichen wir hier Dietrich Wirks bebilderten Reisebericht, der auch Eingang in eine umfangreiche und informative Diaschau gefunden hat.

Mit dem Jugendstil befasste sich die Fotogruppe Hausen bei einem Fotoausflug nach Darmstadt. Auf der Darmstädter Mathildenhöhe, besichtigten und fotografierten die Besucher aus Mittelhessen die zahlreichen Gebäude, Skulpturen und Denkmäler und wurden von Frau Walter vom Touristikbüro Darmstadt in die Geschichte des Jugendstils eingeführt.

Mathildenhöhe Darmstadt
Mathildenhöhe Darmstadt

Der weltmännische Großherzog Ernst-Ludwig, der an Kunst, Theater, Musik und Literatur sehr interessiert war, verwirklichte 1899 die Idee einer Künstlerkolonie. Er berief anerkannte Jugendstilkünstler nach Darmstadt und legte damit den Grundstein für eine bis heute nachwirkende Beziehung. Die Künstler wurden verpflichtet, mindestens drei Jahre lang in Hessen tätig zu sein. Er bot ihnen die Möglichkeit, frei von materiellen Sorgen künstlerisch arbeiten zu können. Erster künstlerischer Leiter war der Wiener Architekt Joseph Maria Olbrich. Bis zur Auflösung der Künstlerkolonie 1914 waren 23 Künstler an der Gestaltung des Gesamtkunstwerkes „Mathildenhöhe“ beteiligt gewesen. Sie veranstalteten gemeinsam mit dem Großherzog und der Stadt Darmstadt vier große Jugendstilausstellungen 1901, 1904, 1908 und 1914 Als gemeinschaftliches Ateliergebäude ließ Joseph Maria Olbrich das Ernst-Ludwig-Haus errichten, in dem sich heute das Museum der Künstlerkolonie befindet.

Ernst-Ludwig-Haus mit "Mann und Weib"
Ernst-Ludwig-Haus mit „Mann und Weib“

Schmuckreicher Höhepunkt des Gebäudes ist das omegaförmige Mittelportal auf der Südseite, dessen monumentale Skulpturen „Mann“ und „Weib“ oder „Kraft und Schönheit“ von Ludwig Halbich stammen. Die Häuser und Villen, die zur ersten Jugendstilausstellung 1901 errichtet wurden, gruppierten sich weitläufig um das Ateliergebäude herum und stammen von mehreren Architekten, die sie für reiche Darmstädter Bürger, aber auch für sich selbst geschaffen haben.

Russische Kapelle
Russische Kapelle

Die Russische Kapelle wurde als Privatkapelle der letzten russischen Zarenfamilie 1897-1899 errichtet, deren Oberhaupt Zar Nikolaus II. mit Alexandra von Hessen und bei Rhein, der Schwester von Großherzog Ernst Ludwig, verheiratet war. Obwohl sie in keinem inhaltlichen Kontext zur Künstlerkolonie steht, prägt sie mit ihrem bunten Mosaikschmuck, der reich geschmückten Fassade und den leuchtend vergoldeten Turmhauben wesentlich das Erscheinungsbild der Mathildenhöhe.

Hochzeitsturm
Hochzeitsturm

Der Hochzeitsturm, von Joseph Maria Olbrich erbaut, ist ein symbolisches Geschenk der Darmstädter Bürgerschaft an den Großherzog, der 1905 Eleonore von Solms- Hohensolms-Lich heiratete. Der Hochzeitsturm, auch Fünf- Finger-Turm genannt, ist das Wahrzeichen von Darmstadt. Von seiner Aussichtsplattform genießt man einen großartigen Blick in alle Himmelsrichtungen.

Das historische Erbe des Jugendstils präsentiert sich auf der Mathildenhöhe als ein einzigartiges Gesamtkunstwerk. Das unverwechselbare Flair dieses Musenhügels vermittelt sich aber nicht nur dem Kunstkenner, auch Bürger und Besucher finden auf der Darmstädter Mathildenhöhe einen Ort der Erholung und Entspannung, und Fotografen schwelgen in einer Fülle interessanter und ästhetischer Fotomotive.

Fotogruppe Hausen auf der Mathildenhöhe
Fotogruppe Hausen auf der Mathildenhöhe

Nach dem Fotorundgang bei kühlem Wetter, aber klarem Licht versammelte sich die Gruppe in der Bockshaut, dem ältesten Restaurant Darmstadts, zum Mittagessen. Das Lokal von 1795 ist schon durch sein Interieur ein Kleinod. Inhaber Reiner Heiß verstand es, die Geschichte des Hauses in humorvollen Worten und in echt Darmstädter Platt zu beleuchten. Dietrich Wirk